Faktoren für gute Praktika im Studium: Fachtagung an der TH Ulm

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Quelle: HRK nexus,

Ein externes Praktikum während des Studiums an einem Lernort außerhalb der Hochschule soll zum reflektierten Wissenstransfer, zur Kompetenzorientierung und Persönlichkeitsentwicklung sowie zur beruflichen Orientierung beitragen. Welche Voraussetzungen dafür gegeben sein müssen, war Thema der zweitägigen HRK/nexus-Fachtagung „Qualitätsgesicherte Praktika im Studium“ am 10. und 11. September an der Technischen Hochschule Ulm. Die Vor- und Nachbereitung von Praktika als auch deren Evaluation in den Hochschulen sollten weiter verbessert werden, so der Konsens der Expertinnen und Experten. Als weitere wichtige Erfolgsfaktoren hierfür wurden die funktionierende Kommunikation zwischen Hochschulen, Unternehmen und Studierenden, die Bereitstellung entsprechender finanzieller und personeller Ressourcen an den Hochschulen sowie das Engagement von Betreuerinnen, Betreuern und Studierenden identifiziert.
Verzahnung zwischen Hochschulen und Unternehmen
Die Diskussion um die Qualität von außerhochschulischen, sowohl curricular eingebundenen als auch von freiwilligen Praktika hat als Folge ihrer ungebrochenen Beliebtheit und weiten Verbreitung in mittlerweile allen Studienfächern deutlich zugenommen. Um qualitätsgesicherte Praktika gewährleisten zu können, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen eine entscheidende Gelingensbedingung, so der Konsens bei der Tagung. Wenn auch von unterschiedlichen Perspektiven der Akteure ausgegangen werden muss, sollte dennoch ein institutionalisierter persönlicher Austausch und kontinuierlicher Informationsfluss im Interesse aller Beteiligten möglich sein. Dies sei vor allem im Sinne der Praktikantinnen und Praktikanten aber auch der beteiligten Hochschulen und der Unternehmen, die ein gemeinsames Interesse an einem guten Praktikum haben: Sie alle können voneinander lernen, neue Impulse für ihre jeweilige Arbeit erhalten und Praktika so immer attraktiver gestalten.
Praktika aus Sicht der Unternehmen
Götz A. Maier, Geschäftsführer im Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e.V. (Südwestmetall) blickte aus der Perspektive der Unternehmen auf die verschiedenen Formen von Praktika – vom Orientierungspraktikum bis hin zur Erstellung von Bachelor- oder Masterarbeiten im Unternehmen – und deren rechtliche Rahmenbedingungen: Wie müssen Verträge gestaltet sein? Welche Vergütung sollte erfolgen und wann ist diese steuerpflichtig? Was ist als Arbeitsverhältnis zu werten und was nicht? Praktikanten sollten, so Maier, unbedingt von Beginn an in die Projektteams der Unternehmen integriert werden, um sich effektiver einbringen zu können. Einsetzbares, solides akademisches Vorwissen und Neugierde seien hier sehr gefragt.
„Beide Seiten sind auf der Suche, man sollte deshalb nicht von oben herab auf Praktikanten blicken“, betonte Dieter Barth, der bei der Heidelberg Manufacturing Deutschland GmbH den Bereich Berufliche Bildung leitet. Zusammen mit dem Studiendekan des „Ulmer Modells“, Prof. Dipl.-Ing. Stephanus Faller, stellte er die an der THU entwickelten ausbildungsintegrierten dualen Studiengänge zur besseren Verknüpfung von Theorie und Praxis vor.
Strukturen und Ressourcen für die Begleitung der Studierenden
Wieviel Begleitung und Betreuung ist notwendig, damit Studierende erfolgreich ein Praktikum beginnen und abschließen können? Was wollen und was können Hochschulen in diesem Bereich leisten? „Soll das Engagement für das Thema Praktika nicht nur ein Lippenbekenntnis sein, braucht es auch genügender finanzieller und personeller Ressourcen an den Hochschulen für diesen Bereich“, fasste Moderator Dr. Jan-Martin Wiarda die Diskussionsbeiträge der Teilnehmenden zusammen.
Die Postersession, bei der die Tagungsteilnehmenden aus den Hochschulen ihre Arbeit zum Schnittstellenthema „Praktika“ präsentierten und zur Diskussion stellten, machte wieder einmal deutlich: Es existiert ein breites Spektrum an vielfältigen Ansätzen, Formaten und Themen, die an den Hochschulen vor Ort aufgegriffen werden, um Studierende bei ihren außerhochschulischen Praktika effektiv zu unterstützen. „Die Art, wie man Praktika gestaltet oder ins Studium einbindet, hängt stark von der Fächerkultur und deren Entwicklungen sowie vom Profil der Hochschule, deren Standort und dem unternehmerischen Umfeld ab“, sagte Prof. Dr. Dr. h. c. Joachim Metzner, ehemaliger Vizepräsident der HRK, der kenntnisreich in die Tagung einführte.
Wie Studierende profitieren
Ein gutes Praktikum bietet Studierenden Einblicke in den Arbeitsalltag eines potenziellen Berufsfeldes und die Möglichkeit zum Wissenstransfer. Damit verbunden ist die Chance eines „Realitätschecks“ und eines Abgleichs mit ihrer Selbsteinschätzung. Ein Praktikum kann für das Studium motivieren, Ideen für Abschlussarbeiten generieren und nicht zuletzt den Weg von der Hochschule in das Berufsleben stärken: Studierende machen Erfahrungen mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen, spezifischen Kommunikationswegen und Umgangsformen und knüpfen wertvolle Kontakte. Sie treten nach Abschluss erfolgreicher Praktika selbstbewusster auf und werden besser wahrgenommen.
Neben förderlichen strukturellen Bedingungen an den Hochschulen sei für ein erfolgreiches Praktikum vor allem das Engagement der Studierenden entscheidend, so der Konsens: Damit sie von ihrem Einblick in die Praxis profitierten, sollten Studierende selbst aktiv werden: sowohl bei der Suche und Auswahl des Praktikums als auch beim Engagement und Arbeitseinsatz im jeweiligen Unternehmen sowie anschließend in der Nachbearbeitung im Studium. „Ob ein Praktikum gut war, entscheidet nach dem Praktikum ausschließlich die Studentin oder der Student“, sagte Metzner, „denn alle haben ihre eigenen Ansprüche, Ziele und Bedürfnisse.“
Weitere Informationen finden Sie in Kürze im Tagungsbericht.

Original-URL: https://www.hrk-nexus.de/aktuelles/news/detailansicht/meldung/faktoren-fuer-gute-praktika-im-studium-fachtagung-an-der-th-ulm-4628/