«Higher Education» oder «Higher Professional Education»?

Die Übersetzungvorschläge des SBFI betreffen den gesamten Berufsbildungsbereich (Sekundar- und Tertiärstufe). Für die Tertiärstufe wird in der englischen Übersetzung eine strukturelle Regruppierung vorgeschlagen, die das Verhältnis zwischen beruflichen und akademischen Bildungswegen betrifft. Die Folgen sollten sorgfältig abgewogen werden.

In der Systematik der OECD und im Sprachgebrauch der Schweiz folgt auf die Sekundarstufe der tertiäre Bildungsbereich, international teilweise mit «Higher Education» übersetzt. In Fortführung der dualen Bildungssystematik auf der Tertiärstufe werden in der Schweiz zwei Teilbereiche unterschieden: Tertiär A umfasst Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen, Tertiär B die Höheren Fachschulen und die eidgenössisch anerkannten Abschlüsse «eidgenössisches Diplom» und «eidgenössischer Fachausweis». Heute lauten die Übersetzungen für diese Teilbereiche wie folgt:

Sprache Tertiär A
Tertiär B
Quelle
sbfi.admin.ch (17. Juni 2015)
Deutsch Hochschulen Höhere Berufsbildung Broschüre SBFI deutsch, S. 6
Englisch Higher Education Professional Education and Training Broschüre SBFI englisch, S. 6

Mit der Umsetzung des zweistufigen Bologna-Modells (Bachelor, Master) sowie mit der Einführung des nationalen Qualifikationsrahmens sollen die verschiedenen Bildungsangebote der Tertiärstufe ausreichend klar benannt und korrekt in die Bildungssystematik eingepasst sein. Dies ist inhaltlich und strukturell  ein anspruchsvolles Unterfangen; in einem mehrsprachigen Land werden die Schwierigkeiten aber noch durch Übersetzungsfragen und (Be-)Deutungstraditionen vermehrt.

Ein Modell zur Diskussion

Am 16. Juni 2015 hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI nun einen Vorschlag präsentiert, der sich einer eigentlich kleinen, aber wichtigen Thematik annimmt: der englischen Übersetzung der Abschlussbezeichnungen im Bereich der Berufsbildung. Vorausgegangen waren diesem Projekt parlamentarische Vorstösse, welche für den Berufsbildungsbereich (Tertiärstufe B) die Titel professional bachelor und professional master etablieren wollten. Diese Vorstösse waren Anfang 2015 in den parlamentarischen Beratungen abgelehnt worden.

Das vorgestellte Modell, zu dem bis zum 31. Juli 2015 Rückmeldung ans SBFI gemacht werden kann, lässt die Abschlussbezeichnungen in den Landessprachen unverändert. Die Titel werden dabei nach folgendem Muster Berufsbezeichnung + Abschlussbezeichnung aufgebaut.

Die Konkretisierungen für die betroffenen Bildungsstufen sehen – leicht vereinfacht – wie in der nachfolgenden Tabelle dargestellt aus. Auffallend ist hier nun, dass die höhere Berufsbildung neu zur «Higher Education» zählen soll. Die Unterscheidung «Higher Education» und «Professional Education and Training» wird damit für die Tertiärstufe fallengelassen.

Abschluss Titel (englische Übersetzung)
Diplom Höhere Fachschule Berufsbezeichung + Advanced Diploma of Higher Education
Eidgenössisches Diplom Berufsbezeichung + Advanced Federal Diploma of Higher Education
Eidgenössischer Fachausweis Berufsbezeichung + Federal Diploma of Higher Education

Dieser Vorschlag, der an einem runden Tisch in den Grundzügen gutgeheissen wurde, wird unter verschiedenen Perspektiven aber auch kritisch gesehen. Einigen Exponentinnen und Exponenten fehlt eine griffige Bezeichnung, die als wirklicher Titel verwendet werden könnte, andere vermissen bei den Höheren Fachschulen den Hinweis, dass auch diese Ausbildung eidgenössich anerkannt ist.

Warum nicht «Higher Professional Education»?

Die subtile Neupositionierung des Tertiär B-Bereichs als Teil der Hochschulen (Higher Education) erscheint ebenfalls diskussionsbedürftig. Unbestritten, die bisherige Weiterführung der Übersetzung für die berufliche Sekundarstufe («Vocational Education and Training») mit «Professional Education and Training» ist nicht zielführend. Wäre aber die Bezeichnung «Higher Professional Education» nicht besser in der Lage, die Struktur in Ländern mit dualem Bidlungssystem wie der Schweiz wiederzugeben?

Das SBFI hat alle interessierten (Berufsbildungs-)Gruppen eingeladen, ihre Einschätzungen bis zum 31. Juli 2015 abzugeben. Es kann wohl erwartet werden, dass das Modell keine grundlegenden Veränderungen mehr erfahren wird, aber in Einzelheiten noch modifiziert werden düfte.

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