Stipendien: Alles klar nach der Abstimmung vom 14. Juni 2015?

Am 14. Juni 2015 wurde in der Schweiz die Stipendieninitiative von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern relativ deutlich mit 72.5 % Nein-Stimmen abgelehnt (Resultate, aufbereitet durch das Bundesamt für Statistik). In keinem Kanton wurde die Initiative angenommen.

Damit basiert auch das künftige Stipendien- und Darlehenssystem in der Schweiz auf dem revidierten Stipendienkonkordat der Kantone. Mit der in Aussicht gestellten Revision des eidgenössischen Ausbildungsbeitragsgesetzes will zudem der Bund seine Beiträge an die Kantone von deren Beitritt zum Konkordat abhängig machen.

Alles klar, also? So viel auf jeden Fall: Die Stipendien werden wie bisher von den einzelnen Kantonen im Rahmen einer gemeinsamen Vereinbarung verantwortet. Damit sollen die Modalitäten, die zu einem Stipendien- oder Darlehensbezug berechtigen, mit definierten Grundsätzen und Mindeststandards einander angenähert, nicht aber vereinheitlicht werden. In diesem Sinn ist bis auf weiteres also geklärt, wie die öffentliche Hand individuelle Bildungsbeiträge zusprechen wird.

Neben den kantonalen Stipendien existieren aber zahlreiche weitere Möglichkeiten, wie Studierende einen finanziellen Beitrag zu ihrem Studium erhalten können. Die Hochschulen verfolgen hier recht unterschiedliche Wege, wie eine kurze Sichtung von Webseiten deutlich macht.

  • Am wenigsten weit gehen jene Universitäten, die bei ihren zentralen Beratungsstellen für Studienfinanzierung auf die bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten hinweisen. Zusätzliche Unterstützung bieten persönliche Beratungsgespräch oder online-Datenbanken bzw. weiterführende Links.
  • Einige Hochschulen verfügen über Fonds oder Stiftungen, die nach eigenen Grundsätzen Studierende finanziell unterstützen können.
  • Bei wenigen Hochschulen wird darüber hinaus deutlich, dass solche Möglichkeiten gezielt weiterentwickelt und auch zur strategischen Profilierung der Hochschule eingesetzt werden. Die Unterstützungsbeiträge werden mit hochschultypischen Aktivitäten verknüpft, beispielsweise mit ausgewählten Studienangeboten, mit besonderen Forschungsprojekten oder mit Aktivitäten im Bereich Transfer und Dialog zu Gesellschaft und Wirtschaft.
  • Schliesslich wird gelegentlich auch auf privatwirtschaftlich getragene Lösungen hingewiesen, z.B. auf Vereine, die sich die Förderung von (individuellen) Bildungsprojekten zum Ziel gesetzt haben.

Wohin geht die Reise? Dies scheint derzeit nicht unbedingt klar. Wenn, wie einige postulieren, die Hochschulen sich in näherer Zukunft vermehrt darum bemühen müssen, genügend Studierenden zu haben, könnten auch finanzielle Aspekte eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Es dürfte sich daher auf jeden Fall auch aus dieser Perspektive lohnen, die Finanzierungsaspekte im Hochschulbereich vertieft zu diskutieren – auch wenn die Stipendieninitiative hierfür nun keinen Anlass mehr bietet.

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