Trends 2015: Der Bericht der EUA

Die European University Association (EUA) veröffentlichte im Mai 2015 den siebten Trends-Bericht. Die Trends-Berichte informieren seit Beginn des Bologna-Prozesses über zentrale Entwicklungsaspekte der europäischen Hochschullandschaft.

Die EUA-Analyse zielt darauf ab, den Entwicklungsprozess aus Sicht der Hochschulen nachzuzeichnen. Im Trends-Bericht 2015 steht Lehren und Lernen im Zentrum des Interesses und er untersucht, inwieweit dieser Aspekt – speziell auch im Sinne des auf die Studierenden orientierten Ansatzes – heute eine institutionelle Priorität ist.

Grundlage und Struktur des Berichts

Der Bericht basiert auf den Antworten von 451 Hochschulen auf eine Umfrage mit mehr als 60 Items. Aus der Schweiz haben 9 Hochschulen teilgenommen. Der Bericht gruppiert die Beobachtungen entlang der Nationalstaaten und enthält kaum Hinweise, wie verschiedene Hochschultypen oder Hochschulen unterschiedlicher Grösse die Aspekte beurteilen. Folgende Themen werden behandelt:

  • Teil 1: Der veränderte Kontext
  • Teil 2: Dynamik in der europäischen und in den nationalen Agenden
  • Teil 3: Institutionelle Strategien und Veränderungen in der studentischen Population
  • Teil 4: Lernen und Lehren in Europa
  • Teil 5: Die Universitäten in der nächsten Dekade

Überblick über die Ergebnisse

Zu Teil 1: Unter dem Aspekte «veränderter Kontext» werden die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise und der demographischen Entwicklung, die Bedeutung der Globalisierung für die institutionelle Position und die Entwicklungen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien thematisiert. Die Wirtschaftskrise zeigt vor allem in süd- und südosteuropäischen Ländern Auswirkungen auf die Finanzen der Hochschulen. Auf die erhöhte (Jugend-)Arbeitslosigkeit reagieren zahlreiche Hochschulen mit einer verstärkten Kooperation mit der Wirtschaft und mit Erweiterung des Hochschulzugangs.

Mit Blick auf die Internationalisierung wollen sich zahlreiche Hochschulen stärker auf eine europäische und globale Perspektive ausrichten, wogegen die nationale und regionale Dimension an Bedeutung zu verlieren scheint (insb. auch für die Schweiz, S. 29). Fast Dreiviertel der Hochschulen haben eine Strategie betreffend E-Learning oder entwickeln derzeit ein. Diesem Aspekt wird eine grosse Bedeutung für die künftige Positionierung der Hochschule beigemessen.

Zu Teil 2: Für die weitere Entwicklung des EHEA ist die Beobachtung bedeutsam, dass fast zwei Drittel der Hochschulen der EHEA eine grundsätzlich positive Wirkung zuschreiben. Die Beurteilung dieses Aspektes durch die Schweizer Hochschulen stieg im Vergleich mit jener der Studie von 2010 von 40% auf 78%; die Wirkung der EHEA wird somit deutlich positiver gesehen (S. 36–37).

Die nationalen Qualifikationsrahmen sind unterschiedlich stark verbreitet und in einigen Ländern scheint es hier noch Missverständnisse zu geben. Joint Programme hingegen sind über alle Studienstufen etabliert, wenn gleich hier noch grössere Herausforderungen zu meistern sind. Aus der Schweiz werden vor allem gesetzliche Schwierigkeiten angezeigt (S. 45). Nach wie vor weitere Entwicklungen sind bei der Anerkennung von Studienleistungen erforderlich, doch zeigen die Hochschulen hier eine hohe Sensibilität.

Zu Teil 3: Die Hochschulen sehen sich auch Veränderungen bei den Studierendenkohorten gegenüber. Immerhin ein Viertel der Hochschulen berichten rückläufige Einschreibungszahlen und 14% erwarten einen weiteren Rückgang (S. 59). Die Schweizer Hochschulen hingegen erwarten einen weiteren Anstieg der Studierendenzahlen, auf keinen Fall einen Rückgang (S. 60). Die grössten Auswirkung wird hierbei beim Zugang von internationalen Studierenden gesehen (zwei Drittel aller Hochschulen nennen diesen Aspekt), während auch Studierende mit Behinderung und ältere Studierende die Zusammensetzung der Studierendenkohorten verändern.

Zu Teil 4: Einige Entwicklungen im Feld von Lehren und Lernen scheinen gut etabliert. So beurteilen die meisten Hochschulen studentische Mobilität als positiv für die Internationalisierung. Ebenso wird der Nutzen von E-Learning in seinen verschiedenen Realisierungsformen über weite Strecken ähnlich (positiv und als zukunftsrelevant) beurteilt. Betreffend Curriculumreformen erachten die meisten Hochschulen die Verwendung von Learning Outcomes als wesentlich; auffallend auch hier, wie deutlich weniger wichtig dieser Aspekt für die Schweizer Hochschulen ist (S. 79).

Ähnlich lässt sich eine andere Position für die Schweizer Hochschulen beim Thema Personalpolitik erkennen. Zwar berichten sie hier in Ãœbereinstimmung mit der grossen Mehrheit der Hochschulen, dass sie der Rekrutierung von qualifziertem Personal und institutionell etablierten Evaluationsverfahren hohe Bedeutung zumessen. Hingegen erachten die Schweizer Hochschulen weder peer-Evaluation noch verpflichtende Personalentwicklungsmassnahmen als zielführend (S. 84).

Grosse Übereinstimmung wiederum ist bei der Bedeutung von Support fÜr die Studierenden erkennbar. Viele Hochschulen verfügen über Instrument und Prozesse zur Unterstützung des Studienerfolgs und des studentischen Engagements, und viele Institutionen legen grossen Wert auf belastbare quantitative Informationen über den Studienverlauf.

Zukünftige Entwicklungen

Die Schlussfolgerungen, die in Teil 5 aus den Trends-Analysen gezogen werden (S. 95–99), dienen der EUA – so die Ausführungen S. 95 – als Leitthemen für die Priorisierung ihrer künftigen Aktivitäten. Es sind dies:

  • Zugang zu Hochschulbildung: Die Studierfähigkeit einer zunehmend heterogenen Zielgruppe soll über alle Hochschulstufen gesichert werden, wofür insbesondere eine gute Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Institutionen der Sekundarstufe II empfohlen wird.
  • Studienerfolg: Hochschulen, die einen breit diversifizierten und gut koordinierten durchgängigen Support für Studierende haben, weisen die besten Erfolgsquoten auf. Auch die Vernetzung mit den Alumni und Angebote im Bereich des Lifelong Learning werden wichtiger.
  • Studierendenorientierung: Alle Veränderungen im Bereich der Lehre sollen darauf abzielen, die Studierenden in ihrem Lernen besser zu unterstützen. Lernaktivitäten, interdisziplinäre Ansätze und ICT-integrierte Konzepte werden als erfolgversprechend beurteilt.
  • Vorbereitung auf die späteren Aufgaben: Wie die als wichtig beurteilten transversalen Kompetenzen bei den Absolvent/innen am besten gefördert werden können, scheint noch weniger gut geklärt. Hier soll gezielt nach Beispielen guter Praxis gesucht werden.
  • Internationalisierung: Die grosse Bedeutung von Internationalisierung in Lehre und Forschung ist unbestritten. Für die künftigen Internationalisierungsstrategien der einzelnen Hochschulen wird entscheidend sein, dass sie passende Antworten auf Fragen der Finanzierung, Nachhaltigkeit und Profilierung finden.
  • Interne Organisation: Die Organisationsstrukturen (Anzahl und Grösse der Organisationseinheiten) sind entsprechend den Zielsetzungen weiterzuentwickeln, z.B. mit Blick auf die Ermöglichung von vermehrter Interdisziplinarität.
  • Personalentwicklung: Sowohl technologische als auch organisatorische Entwicklungen lassen einen zunehmend professionalisierten akademisch-administrativen Mittelbau entstehen, der angemessen qualifiziert und gefördert werden muss.
  • Ökonomisierung: Die Grenze zwischen privat und öffentlich finanzierten Aktivitäten im Hochschulbereich dürfte sich künftig weiter verschieben; insb. die Entwicklungen der sichtbaren und unsichtbaren Formen der Ökonomisierung und deren Auswirkungen auf die Hochschulaktivitäten sollen beobachtet werden.
  • Europäische Agenda: Die weitere Stärkung des EHEA durch gemeinsame Ziele, institutionelles Lernen und gemeinsame Aktivitäten ist erforderlich. Der Bologna Prozess soll weiter vorangetrieben werden.

Weiterführende Informationen

Der Bericht als pdf ist hier verfügbar.