Kleine Fächer

Was ist ein kleines Fach, was sind kleine Fächer? So einfach die Frage auch erscheinen mag, eine knappe und präzise Antwort fällt ausgesprochen schwer. Das hängt vor allem von der grossen Vielfalt an Perspektiven ab, die berücksichtigt werden können. Welches sind die sinnvollen und treffenden Kategorien, um ein Fach als klein zu bezeichen? Die Anzahl Professuren, die es an einer Hochschule vertreten, die Anzahl der eingeschriebenen Studierenden in einem Studienprogramm, die Funktion des Faches mit Blick auf andere Studienfächer oder mit Blick auf verschiedenen Abschlussqualifikationen? Zudem kann ein Fach in einem Kontext durchaus klein sein, und ist in einem anderen Kotext durchaus gross. Und ausserdem: die Grösse bzw. Kleinheit eines Faches hat nichts, aber auch gar nicht mit seiner wissenschaftlichen bzw. akademischen Bedeutung zu tun.

Was also ist ein kleines Fach? Und warum ist die Auseinandersetzung mit dieser Frage und mit den kleinen Fächern an den Schweizer Hochschulen interessant und bedeutsam?

Meldungen aus der Schweiz

Nachdem in der Schweizer Hochschullandschaft seit längerer Zeit keine Entwicklungen mehr festzustellen waren, die in einem Zusammenhang mit der Thematik von «Kleinen Fächern» gesehen werden müssen, berichtet der Tagesanzeiger am 5. September 2016, dass die ETH Zürich sich aus der Finanzierung des Faches Rätoromanistik zurückziehen will:

 

Aktivitäten in Deutschland

In Deutschland wird die Situation von der so genannten Arbeitsstelle Kleine Fächer (2007–2012: Universität Potsdam, ab 2012 Universität Mainz) systematisch analysiert. Daraus ist eine Übersicht über die Situation in Deutschland entstanden (Standort- und Professurenzahlen; nur Universitätsstandorte; aktualisiert zum Stichtag 31. August 2015); zudem hat die grundlegende inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema zahlreiche Definitionen klären und so die Diskussion massgeblich versachlichen können. Bis März 2016 führt die Mainzer Arbeitsstelle, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, eine Studie «Beitrag und Chancen der Kleinen Fächer aus der Internationalisierung» durch.
(vgl. Linksammlung – Kleine Fächer)

Ende März 2015 hat das Land Baden-Württemberg eine Landesinitiative «Kleine Fächer» gestartet. Die Initiative will die Leistungsfähigkeit der kleinen Fächer sichern. Begründung von Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst: «Obwohl klein in puncto Personalausstattung, Studierendenzahl oder Anzahl der Universitätsstandorte, sind die «Kleinen Fächer» von unschätzbarer Bedeutung für die Grundlagenforschung und die Vielfalt des Denkens in unserer Gesellschaft. Auf ihre Kompetenz, ihre Sichtweisen und Methoden sind wir zwingend angewiesen. Mit unserer Landesinitiative werden wir ihre Leistungsfähigkeit sichern.» Im Rahmen einer ersten Ausschreibung von Fördermitteln im Umfang von 3 Millionen Euro über drei Jahre werden bis Ende 2018 insgesamt sieben Projekte gefördert.

Auf Beginn des Sommersemesters 2015 hat die Freie Universität Berlin 14 kleine Fächer des Fachbereichs Geschichts- und Kulturwissenschaften in einem Neubau unter einem Dach zusammengeführt (Pressemitteilung). Diese sind in 4 Bereiche gruppiert, in denen inhaltlich nah beieinander liegende Fächer sich noch leichter in Forschung und Lehre begegnen können. Im Gebäude integriert ist auch die neue Campusbibliothek für insgesamt 24 Institute und Arbeitsbereiche (Pressemitteilung als pdf).

Im Sommer 2016 verstärkt auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (bmbf) die Förderung von Personen und Vorhaben im Bereich der kleinen Fächer. Eine entsprechende Richtlinie zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern wurde am 21. Juni 2016 publiziert.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) will die Leistungsfähigkeit der Kleinen Fächer in den nächsten Jahren durch die Förderung interdisziplinärer Projekte exzellenter junger Leute weiter ausbauen und sichtbar machen. Dank der Förderung erhalten jährlich 10 bis 15 exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus den Kleinen Fächern die Möglichkeit, sich für den Zeitraum von drei Jahren an einer Universität oder Forschungseinrichtung in Deutschland mit selbstgewählten, vielfältigen Forschungsfragen zu beschäftigen. Nach der ersten erfolgreichen Förderrunde, bei der 14 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Zuge kamen, steht nunmehr eine zweite Förderrunde an. Projektskizzen sind beim vom BMBF beauftragten DLR Projektträger in deutscher Sprache bis zum 15. September 2017 einzureichen.

Die Situation der Kleinen Fächer namentlich bezüglich ihrer Möglichkeiten, an nationaler und internationaler Forschungsförderung teilzuhaben, war Gegenstand von zwei Studien, die im Jahr 2017 veröffentlicht wurden.