Studieneingangsphase: Resultate der Umfrage von 2015

Das ZHE Zürich befragte in der zweiten Jahreshälfte 2015 mehr als 300 Vertreterinnen und Vertreter der Hochschulen in der deutschsprachigen Schweiz zur Studieneingangsphase und deren Gestaltung an ihrer Institution. Auf dieser Seite sind ein verdichtetes Fazit und ausgewählte Resultate dazu dargestellt.

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Befund im Überblick

Die Studieneingangsphase ist für die meisten Antwortenden ein wichtiges Thema. Deren Gestaltung ist für den künftigen Erfolg einer Hochschule wichtig. Die grössten Herausforderungen werden in einem unterschiedlichen Wissensniveau der Studierenden gesehen und darin, dass die Studierenden den zeitlichen Aufwand für ein Studium unterschätzen würden.

Bei der Gestaltung der Studieneingangsphase setzen die meisten Antwortenden auf verbesserte Studieninformationen und auf Studieninformationstage. Für Studierende am Studienanfang besteht vielfach ein spezifisches Mentoringangebot. Weniger häufig wird gemeldet, dass Kursangebote zum Ausgleich von Wissenslücken vorhanden sind – angesichts der häufig genannten Herausforderung «Wissensniveau» eigentlich ein erstaunlicher Befund.

Von den Massnahmen zur Gestaltung der Studieneingangsphase erwarten die Antwortenden vor allem, dass die Studierenden ihr Studium besser informiert wählen und planen und sich im Studium besser orientieren können. Aber auch eine qualitative Verbesserung der Studienleistungen wird von vielen Antwortenden erwartet.

Ausgewählte Ergebnisse

Diese Themen sind nachfolgend detaillierter dargestellt:

Weitere Ergebnisse sind anlässlich der Tagung vom 9. Februar 2016 von Thomas Hildbrand vorgestellt worden.

Allgemeine Einschätzung

Weitaus die meisten antwortenden Personen erachten die Gestaltung der Studieneingangsphase als wichtig oder als teilweise wichtig. Dies gilt unabhängig von deren Zugehörigkeit zu einem Hochschultypen.

Bedeutung einer gestalteten Studieneingangsphase für den künftigen Erfolg einer Hochschule

Die Frage nach der Bedeutung einer gestalteten Studieneingangsphase für den künftigen Erfolg einer Hochschule ist vor dem Hintergrund strategischer Überlegung der Hochschulentwicklung zu sehen.

Die Antwortenden, die eine leitende Funktion in einer Hochschule innehaben und damit auch für deren strategische Entwicklung und Positionierung Verantwortung tragen, messen der Gestaltung der Studieneingangsphase zu 82% eine strategische Bedeutung zu. Bei den Personen, die konzipierend und koordinierend tätig sind, ist dieser Anteil bei 74% bzw. 71% der Antwortenden.

Grösste Herausforderungen in der Studieneingangsphase

Auf die Frage «Wo liegen Ihrer Meinung nach die grössten Herausforderungen im Bereich der Studieneingangsphase?» wurden acht mögliche Antworten zur Beurteilung vorgelegt. Jede mögliche Antwort konnte einzeln mit Zustimmung oder Ablehnung beurteilt werden.

Zwei Antworten wurden von je 80% der Antwortenden als grösste Herausforderung bezeichnet, nämlich:

  • Die Studierenden haben am Studienbeginn ein stark unterschiedliches Wissensniveau.
  • Die Studierenden unterschätzen den zeitlichen Aufwand für das Studium.

Hingegen sind nur 30% der Antwortenden der Meinung, dass die Studieninteressierten ihr Studium zu wenig sorgfältig auswählen.

Massnahmen zur Gestaltung der Studieneingangsphase

Weitaus am meisten Antwortende geben an, dass die Studieninformationen verbessert oder teilweise verbessert worden sind (75%). Auch die Einführung von Studieninformationstagen wird noch von fast 2/3 der Antwortenden (63%) angeführt, und rund 50% berichten, dass an ihrer Institution spezielle Mentoring-Angebote für Studierende im ersten Studienjahr bestehen.

Bezüglich spezifischen Kursangeboten, die den Studierenden helfen, Wissenslücken auszugleichen, berichten immerhin noch 41% der Antwortenden, dass solche am Beginn des Studiums besucht werden können. Und 25% berichten, dass solche Kurse bereits vor dem Studium absolviert werden können.

Nur eine kleine Minderheit gibt hingegen an, dass Studieninteressierte so genannte Studieninteressenstests durchgehen können (weniger als 18% der Antwortenden).


Zusammenhang zwischen Wissensniveau und Kursangebot in den ersten Studiensemestern

Analysiert wurde auch die Frage, ob bei den Antwortenden ein Zusammenhang festzustellen ist, zwischen einzelnen Aspekten der wahrgenommenen Herausforderungen und den aktuell implementierten Massnahmen.

Untersucht wurde, ob diejenigen Antwortenden, für die das unterschiedliche Wissensniveau der Studienanfängerinnen und Studienanfänger eine grosse Herausforderung ist, auch angeben, dass ein spezifisches Kursangebot zum Schliessen von Wissenslücken in den ersten Studiensemestern vorhanden ist. Dies wäre zumindest ein Hinweis darauf, dass solche Brückenkurse als mögliche Antwort auf das unterschiedliche Wissensniveau der Studierenden angeboten werden.

Auffallend viele Antwortende, für die das Wissensniveau ein wichtiges Thema ist (total 96 Personen), melden, dass kein solches Kursangebot besteht (39 der 96 Personen, bzw. 40%) oder geben hierzu keine Antwort (21 von 96 Personen, bzw. 21%). Umkehrt berichtet nur etwas mehr als ein Drittel von einem bestehenden Kursangebot.

Dieser Befund wirft die Frage auf, warum dies so ist. Möglicherweise wird aus Kostengründen auf die Bereitstellung eines Kursangebots verzichtet. Oder die zusätzlichen zeitlichen Belastungen für die Studierenden werden als schwerwiegender erachtet als die beobachteten Wissenslücken. Schliesslich könnte auch vermutet werden, dass jene Personen, die das unterschiedliche Wissensniveau als Problem einschätzen, für das Etablieren zusätzlicher Kursangebote nicht zuständig sind.

Erwartete Wirkungen

Die meisten Antwortenden erwarten von den Massnahmen, dass die Studieninteressierten ihr Studium informierter wählen können (83%), und dass die Studierenden sich in ihrem Studium besser orientieren (93%) und dieses besser planen (77%)  können.

Nur die Hälfte erwartet jedoch, dass Personen, die für das Studium weniger gut geeignet sind, gar nicht erst ein solche aufnehmen. Hingegen sind mehr als 2/3 der Antwortenden der Meinung, dass dank der Massnahmen weniger Studierende ihr Studium abbrechen. Nur 1/3 erwartet hingegen, dass die Studiendauer aufgrund der Massnahmen durchschnittlich kürzer wird (33%).

Durchführung und Rücklauf der Umfrage

Durchführung

Zur Teilnahme an der Umfrage wurden im Jahr 2015 insgesamt 313 Personen der Universitäten/ETH, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen der deutschsprachigen Schweiz angeschrieben; die Angeschriebenen konnten die Umfrage zur Bearbeitung auch an eine oder mehrere Personen weiterleiten.

Die Umfrage erfolgte in zwei Wellen.

  • In einer ersten Welle wurden die für Lehre und Studium verantwortlichen Mitglieder der Hochschulleitungen angeschrieben (Total 44 Personen angeschrieben, Rücklauf: 22 vollständig beantwortete Fragebogen).
  • Die Befragung der zweiten Welle richtete sich an Personen mit Konzeptions- und Koordinationsverantwortung für einzelne oder mehrere Studienprogramme (Total 279 Personen angeschrieben, Rücklauf: 122 vollständig beantwortete Fragebogen).

Rücklauf

Insgesamt gingen 144 vollständig oder zu grossen Teilen ausgefüllte Fragebögen ein, die für die Analyse verwendet werden können.

Die Rücklaufquote (über alles rund 46%) kann nur näherungsweise bestimmt werden, da die angeschriebenen Personen die Umfrage zur Beantwortung auch an andere Personen innerhalb der Hochschule weiterleiten konnten.


Strukturelle Angaben zur Gruppe der Antwortenden

Für die Auswertung konnten die Rückmeldungen von 144 Antwortenden berücksichtigt werden. Diese Gruppe lässt sich mit den nachfolgend dargestellten Aspekten näher beschreiben.

Antwortende nach Hochschultypen

Der Anteil an der Gesamtheit der antwortenden Personen liegt für die Angehörigen von Universitäten bei 65%, für jene der Fachhochschulen bei 23 % und für die Angehörigen von Pädagogischen Hochschulen bei 12%.

Diese Verteilung entspricht mit einer gewissen Überrepräsentation der Fachhochschulen und Unterrepräsentation der Pädagogischen Hochschulen auch den Anteilen bei der Anzahl Studierende (Stand: Herbstsemester 2014/15).

 

Funktionen der Antwortenden

Von den Antwortenden nehmen ungefähr gleich viele eine Funktion als Programmdirektor/innen (Studiendekan/in und Studienprogrammdirektor/in) oder als Programmkoordinator/innen (Studienprogrammkoordinator/innen und Studienberater/innen) wahr.

Die Personen mit einer Funktion als Direktor/in verteilen sich dabei recht gleichmässig auf die drei Hochschultypen. Die koordinierenden Funktionen sind unter den Antwortenden vor allem aus den Universitäten stark vertreten. Personen, die als Mitglied der Hochschulleitung für Lehre und Studium verantwortlich sind (Rektor/in oder Prorektor/in), machen unter den Antwortenden insgesamt ungefähr 10% aus.

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